Feminismus oder Barbarei IV

Zur Veranstaltungsreihe

Dieses Jahr geht unsere Vortragsreihe „Feminismus oder Barbarei“ in die vierte Runde. Mit vielen spannenden Vorträgen, Workshops und einer Stadtführung wollen wir verschiedene feministische Themen beleuchten und diskutieren. Weil wir Feminismus als Basis gesellschaftlicher Emanzipation begreifen, ist es für uns unabdingbar, in Zeiten von Femiziden und eines antifeministischen Backlash umso energischer für die Selbstbestimmung von Frauen* einzutreten. Die Entwicklung sinnvoller Gegenstrategien braucht eine gründliche Analyse der Akteur:innen des Antifeminismus und der gesellschaftlichen Verhältnisse, die diese hervorbringen. Hierzu will die Veranstaltungsreihe einen Beitrag leisten wie auch in der gemeinsamen Diskussion Perspektiven für eine praktische Kritik der Verhältnisse entwickeln.

Programm

„Jeden Dritten Tag“ – Podium zu Femiziden

5. August – 18 Uhr – Heizhaus Nürnberg
Mit Dr. Monika Schröttle, der Anwältin Christina Clemm und Vertreter:innen der Gruppe „Ni Una Menos Nürnberg“.

Veranstaltungsbeschreibung

Im Jahr 1976 definierte die US-Amerikanerin Diana Russel den Begriff „Femicide“, also Femizid, als „von Männern begangene Tötung von Frauen, weil sie weiblich sind“. Damit beschrieb sie einen Bestandteil der patriarchalen Barbarei, der auch heute noch hochaktuell ist und doch gesellschaftlich sträflich vernachlässigt wird. Tötungsdelikte an Frauen fallen zu einem großen Teil in den Bereich der sogenannten „Partnerschaftsgewalt“, jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland seine (Ex-)Partnerin zu töten, jedem Dritten gelingt es. Doch die frauenfeindlichen Hintergründe der Taten werden, trotz ihrer unfassbaren Häufigkeit, nicht thematisiert. Es wird von Beziehungs- oder Eifersuchtsdramen gesprochen. Die Tötungen werden als Bestandteil von Liebesbeziehungen, als rein privater Natur aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Das bedeutet, dass eine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Hintergründen, welche diese Tötungen bedingen, erschwert wird.

Doch gerade in latein- und südamerikanischen Ländern brechen große Frauenbewegungen das Schweigen über Femizide und organisieren sich gegen die zerstörerische Manifestation der Misogynie. Auch in Europa und Deutschland sind Diskurse über Tötungen an Frauen auf Grund ihres Frau-Seins angekommen und politische Gruppen formieren sich, die dagegen ankämpfen.Doch die Umstände scheinen sich zu verschlimmern. Immer mehr Länder treten aus der Istanbul-Konvention aus, während der Pandemie stiegen die Zahlen der Tötungen an, genauso wie Gewalt gegen Frauen im Allgemeinen.

Wir wollen im Rahmen eines Podiums die juristischen Rahmenbedingungen von und wissenschaftliche Erkenntnisse über Femizide in Deutschland, sowie aktivistische Perspektiven diskutieren.

Referent:innen

Dr. Monika Schröttle ist Politologin und Sozialwissenschaftlerin mit Schwerpunkten in der interdisziplinären Gender-, Gewalt-, Menschenrechts- und Inklusionsforschung. Sie ist Koordinatorin des European Observatory on Femicide.

Christina Clemm ist Anwältin mit Schwerpunkt auf die Vertretung von Opfern sexualisierter Gewalt und extrem Rechter und rassistischer Straftaten. Christina Clemm war Nebenklageanwältin im NSU-Prozess und ist Autorin des Buches „AktenEinsicht“ – Geschichten Frauen und Gewalt.

Ni Una Menos (In deutsch: Keine weniger ) ist eine lateinamerikanische feministische Graswurzelbewegung die sich gegen Femizde und sexualisierte Gewalt richten. Die Aktionsformen sind dabei vielfältig, von Großdemonstrationen mit vielen Hunderttausenden über die Organisierung solidarischer Beziehungsweisen untereinander bishin zum militanten Schutz vor sexualisierter Gewalt.

Stadtführung: Zur Geschichte Mittelalterlicher Männlichkeiten

Wichtig: Eine Anmeldung für die Veranstaltung ist unbedingt notwendig.

21. August – 14 Uhr – Treffpunkt: *** Treffpunkt wird nach der Anmeldung an schweigendurchbrechen[aet]riseup[dot]net bekanntgegeben ***
Mit der Historikerin und Frauen- und Geschlechterforscherin Nadja Bennewitz

Zur Veranstaltung
„Über Männer in der Geschichte ist weiß Gott genug geschrieben worden.“

Stimmt. Doch wann ist „ein Mann tatsächlich ein Mann“ – in einer geschichtlichen Perspektive?

Gab es im Mittelalter so etwas wie eine „hegemoniale Männlichkeit“, die gegenüber anderen Konzepten vorherrschend war, und geben darüber religiöse Darstellungen des Mittelalters Auskunft? Gab es alternative Formen von Männlichkeiten? An welchen „Mannsbildern“ konnten sich die zeitgenössischen Nürnberger orientieren? An dem fürsorglichem Vater, an dem androgynen grünen Mann oder an dem schutzbedürftigen Geistlichen?

Es wird Zeit, den Mann als vermeintlich „geschlechtslosen Leistungsträger“ in der Geschichte abzulösen!

Zur Referentin
Nadja Bennewitz ist Historikerin mit dem Forschungsschwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung sowie Erinnerungspolitik. Dabei liegt der Fokus auf regionaler und Stadtgeschichte.

Vortrag: Feministische Perspektiven auf Mutterschaft

Verschoben wegen Krankheit – Alternativtermin wird gesucht!
Mit der Autorin und Sozialwissenschaftlerin Giesela Notz,

Zur Veranstaltung
Es gibt kaum einen Begriff, der so zum Mythos erhoben wird, wie Familie und Mutterschaft. Dabei sind beides soziale Konstrukte. In familisistischen Gesellschaften ist die Kleinfamilie, die aus heterosexuellen Paaren und deren eigenen Kindern besteht, die „gottgewollte“ oder „natürliche“ Lebensform und die Frau ist eigentlich nur perfekt, wenn sie Mutter wird. Zu allen Zeiten wurde biologische Mutterschaft außerhalb des ideolgisierten Status der Kleinfamilie diskriminiert. Bereits Teile der ersten „alten Frauenbewegung“ wollten dies nicht hinnehmen. „Frauen wollen alles, Beruf, Kinder, Partnerschaft, Politik“, das war ein Slogan der neue Frauenbewegung der 1970er Jahre. Leicht zu erreichen war das nicht. Heute leben Menschen in vielen Zusammenlebensformen – mit und ohne eigene Kinder. Und Kinder erfahren Zuwendung von verlässlichen Bezugspersonengen, die nicht immer die biologischen Eltern sein müssen.

Zur Referentin
Giesela Notz ist Sozialwissenschaftlerin und Historikerin mit den Forschungsschwerpunkten Frauen- und Geschlechterforschung sowie Sozial- ,Arbeits- und Familienpolitik. Sie ist Autorin der Theorie.org Bücher „Kritik des Familismus“ und „Theorien alternativen Wirtschaftens“.

Vortrag: Der Kulturkampf der Anti-Choice-Bewegung:

Eine Analyse der selbst ernannten Bewegung, sowie ihrer Ideologie und Methoden.

16. September – 19 Uhr – Heizhaus Nürnberg
Mit der Journalistin und Aktivistin Lina Dahm

Veranstaltungsbeschreibung
Radikale Abtreibungsgegner*innen wie „pro femina“, die „Aktion Lebensrecht für Alle“ oder „Sundays for Life“ arbeiten mit vielfältigen Methoden und bisweilen bestens vernetzt an ihrem Ziel Schwangerschaftsabbrüche zu verunmöglichen. Ihr Kampf gegen Abtreibung beinhaltet dabei gleichzeitig eine umfassende Kritik an der heutigen Gesellschaft, die aus ihrer Sicht im Untergang begriffen ist.

Der Vortrag richtet sich an alle, die sich einen Überblick über die derzeitige Situation ungewollt Schwangerer in Deutschland verschaffen möchten. Er analysiert zudem den von der Anti-Choice-Bewegung geführten Kulturkampf, die dahinterstehenden Ideologien und widmet sich relevanten Gruppierungen sowie ihren Netzwerken.

Zur Referentin:
Lina Dahm ist Aktivistin und freie Journalistin aus München. Sie beschäftigt sich seit einigen Jahren mit Antifeminismus und schwerpunktmäßig mit der selbst ernannten „Lebensschutz“-Bewegung.

Pubquizz und feministisches Biertrinken

TBA – Desi Stadtteilzentrun e.V.

My Body, My Knowledge. Frauenkörper als großes Unbekanntes

TBA – Heizhaus

Allgemeine Informationen

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage können wir nicht garantieren, dass alle Veranstaltungen in geplanter Form stattfinden können. Haltet euch deshalb über unsere Website oder auf Social Media auf dem Laufenden. In der Vergangenheit haben wir für unsere Veranstaltungen Kinderbetreuung angeboten. Aufgrund der aktuellen Situation gestaltet sich dies schwieriger und wir können nicht garantieren, dass eine Kinderbetreuung immer möglich ist. Falls ihr eine Kinderbetreuung benötigt, schreibt uns eine E-Mail an: schweigendurchbrechen@riseup.net

Die Veranstalter*innen behalten sich gem. § 6 VersG / Art. 10 BayVersG vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen Organisationen angehören oder der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch antisemitische, rassistische oder nationalistische Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu Veranstaltungen zu verwehren.

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