Feminismus oder Barbarei III

+++Update+++

Coronabedingt müssen alle Veranstaltungen im November online stattfinden. Meldet euch für den jeweiligen Link zur Veranstaltung bitte unter schweigendurchbrechen@riseup.net an. Die Teilnehmer:innenbeschränkungen sind damit außer bei den beiden Workshops hinfällig.

Zur Veranstaltungsreihe

Dieses Jahr geht unsere Vortragsreihe „Feminismus oder Barbarei“ in die dritte Runde. Mit vielen spannenden Vorträgen, Workshops und einer Stadtführung wollen wir verschiedene feministische Themen beleuchten und diskutieren. Weil wir Feminismus als Basis gesellschaftlicher Emanzipation begreifen, ist es für uns unabdingbar, in Zeiten von Femiziden und eines antifeministischen Backlash umso energischer für die Selbstbestimmung von Frauen* einzutreten. Die Entwicklung sinnvoller Gegenstrategien braucht eine gründliche Analyse der Akteur:innen des Antifeminismus und der gesellschaftlichen Verhältnisse, die diese hervorbringen. Hierzu will die Veranstaltungsreihe einen Beitrag leisten wie auch in der gemeinsamen Diskussion Perspektiven für eine praktische Kritik der Verhältnisse entwickeln. Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit dem Kurt-Eisner-Verein statt.

Programm

Stadtführung: »Mei Frau hat zum Schuckert nüber mäin«

Ein Spaziergang in der Südstadt zur Geschichte von Arbeiterinnen in der Industrialisierung
Nadja Bennewitz, Historikerin M.A. – 10.10. – 16 Uhr – Seiteneingang Schauspielhaus

Veranstaltungsbeschreibung
Durch die Industrialisierung im 19. Jh. dehnte sich Nürnberg weit in den Süden aus und die Innenstadt verlor als Treffpunkt für die ArbeiterInnenschaft an Bedeutung. Landarbeiterinnen zogen in die neu entstehenden Stadtteile und fanden schlecht bezahlte Arbeit in den neuen Industriebetrieben, darunter bei Sigmund Schuckert. Die Bürgerliche Frauenbewegung nahm sich der Probleme allein stehender Arbeiterinnen an, doch diese organisierten sich – trotz des Vereinsverbots, das ihre politische Arbeit seit 1850 untersagte – schließlich selbst. Das Herculesvelodrom diente den bürgerlichen, der „Bürgersaal“ in der Schonerstraße den proletarischen Frauen als Versammlungs- und Agitationsort. Arbeiterinnenalltag um 1900, Wohnverhältnisse und paternalistische Sozialeinrichtungen von Unternehmerseite sind weitere Themen dieser Stadtführung.

Vortrag: Machtstrukturen im Alltag im Rahmen einer Migrationsgeschichte

Thais Vera Utrilla – 31.10 – 16 Uhr – Online

Zur Veranstaltung
ls Migrant*innen erfahren wir Situationen von institutionellen, strukturellen und alltäglichen Diskriminierungen aufgrund der Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft, Religion, des sozialen Status oder körperlicher Verfassung u.a., die oft sehr subtil und schwierig zu erkennen sind. Durch die Analyse eigener Erfahrungen und Episoden im Alltag werden Machtstrukturen der Gesellschaft, an denen wir alle teilnehmen, benannt und erkennbar gemacht. Ein Raum für gemeinsame Reflexion und Austausch wird aufgebaut. Im Mittelpunkt steht die autobiografische Arbeit.

Zur Referentin
Ich bin Soziologin und Politologin mit Spezialisierung in Sozialpsychologie und Geschlechterpolitik. Seit 2010 lebe ich in Berlin und arbeite als Kuratorin und Referentin von intersektionellen feministischen Empowerment-Projekten für Frauen*, besonders für Migrant*innen. Meine Interessengebiete sind Feminismen, dekoloniale Theorien, Kunst als Raum für Wandlung und Freiheit sowie Mehrfachdiskriminierung in Migrationsprozessen.

Anmeldung und Hygienekonzept
Da die Veranstaltung online über BigBlueButton stattfinden wird, wird es keine Kinderbetreuung geben Um eine Anmeldung zum Beitrag unter schweigendurchbrechen@riseup.net wird gebeten. Der Einladungslink zur Online-Veranstaltung wird Euch dann per Mail zugesendet.

Lesung: „Feministisch streiten“ – Vortrag und Buchvorstellung

Koschka Linkerhand – 05.11. – 19 Uhr – Online

Zur Veranstaltung
Die Zeiten werden dunkler: Global breiten sich faschistische und fundamentalistische Bewegungen aus, die nicht zuletzt von ihrer Frauenfeindlichkeit zusammengehalten werden. Der wiederaufflammende Kampf gegen das Recht auf Abtreibung ist nur ein Beispiel für die politischen Kampffelder, die sich daraus für Feminist_innen ergeben. Dennoch ist es nicht leichter geworden, produktiv über feministische Analysen und Aktionsformen zu streiten und Formen der solidarischen Zusammenarbeit zu finden.
Koschka Linkerhand stellt ihren Sammelband Feministisch streiten vor und geht der Frage nach, warum Streit unter Feministinnen ein so schwieriges Thema ist.

Hygienekonzept und Anmeldung
Da die Veranstaltung online über BigBlueButton stattfinden wird, wird es keine Kinderbetreuung geben Um eine Anmeldung zum Beitrag unter schweigendurchbrechen@riseup.net wird gebeten. Der Einladungslink zur Online-Veranstaltung wird Euch dann per Mail zugesendet.

Workshop: Zum Verhältnis von Körper und Natur im Feminismus

Charlotte Liebel – 07.11. – 14 Uhr – Online

Veranstaltungsbeschreibung
Der Workshop zu Körper und Natur im Feminismus wird aus einem Impulsvortrag über die Entwicklung feministischer Auseinandersetzung mit Natur- und Körperkonzepten und einer Gesprächsrunde bestehen. Zwei Lesetexte dienen der Vorbereitung und als gemeinsame Grundlage für die Diskussion – sie sollen den Impulsvortrag inhaltlich ergänzen und Einblick in die Forschungsfelder und Denkweisen feministischer Auseinandersetzung mit Materie geben.
Die Texte sollen Anstoßpunkte für eine Auseinandersetzung darüber liefern, wie die gesellschaftlich bedingten Konfigurationen von Natur und Körper/Materie mit unseren persönlichen und alltäglichen Körper-Erfahrung verbunden sind. Welche Möglichkeiten eines feministischen Zugangs zu Körper und welche feministischen Politiken ergeben sich für uns hieraus?

Hygienekonzept und Anmeldung
Die Teilnehmer:innenzahl des Workshops ist begrenzt. Meldet euch bitte unter schweigendurchbrechen@riseup.net für die Veranstaltung an. Die Texte zur Vorbereitung werden Euch dann per Mail zugeschickt.


Workshop: Männlichkeitskritik und antisexistische Praxis

AK Bildung&Emanzipation 22.11 – 13 Uhr – Online

Veranstaltungsbeschreibung
Während Herbert Grönemeier noch fragte, wann ein Mann ein Mann ist, forderte Ina Deter schon neue Männer ein, die das Land brauche. Währenddessen konstatierten die Ärzte schließlich, dass Männer einfach Schweine seine.
Männlichkeit, bzw. das gesellschaftliche Bild davon ist, Grundlage von vielfälltigen gesellschaftlichen Debatten, seien es eben Musikstücke oder eben konkrete politische Diskussionen. Darüber hinaus ist sie aber auch Grundlage eines Jahrtausende alten Unterdrückungsmechanismus: Der Abwertung von allem, was ihr nicht entspricht. Zu leiden haben darunter vor allem Frauen* und Personen, die nicht in die binäre Geschlechterlogik passen.
Im Rahmen des Workshops wollen wir uns dem Thema Männlichkeit(en) annähern. Wodurch zeichnet sich Männlichkeit aus? Welche Privilegien haben Männer in der Gesellschaft? Gibt es Gegenbilder zur hegemonialen Männlichkeit und wie können sie aussehen? Nachdem wir uns theoretische Grundlagen erarbeitet haben, wollen wir die Ergebnisse nutzen, um mit Hilfe der Militanten Untersuchung – einer Methode der operaistischen Arbeiter*innenbewegung – das erarbeitete in die Praxis umzusetzen und einen Fragebogen zu erarbeiten, der unterstützen soll, Männlichkeitsbilder zu reflektieren und ein kritisches Bewusstsein zu bilden.

Hygienekonzept und Anmeldung
Die Teilnehmer:innenzahl des Workshops ist begrenzt. Meldet euch bitte unter schweigendurchbrechen@riseup.net für die Veranstaltung an. Die Veranstaltung behandelt zwar das Thema „Männlichkeit“, der Workshop richtet sich aber explizit nicht nur an Männer sondern ist offen für alle.


Vortrag: Zum Verhältnis von Feminismus und Antirassismus

Randi Becker – 26.11 – 19 Uhr – Online

Veranstaltungsbeschreibung
Aktuelle feministische Debatten gehen selbstverständlich davon aus, dass ihr Feminismus ein antirassistischer ist, sein sollte oder werden muss. Diese Verknüpfung des Kampfes gegen Sexismus und Rassismus ist eine, deren Wurzeln weit in die Geschichte des Anti-Sklaverei-Aktivismus und die Geschichte des Black Feminism zurückreichen. Als Resultat von Forderungen schwarzer Frauen, in feministischen Kämpfen mitgedacht, mitrepräsentiert zu werden, und ihre Erfahrungen der Verschränkung von Rassismus und Sexismus abzubilden, werden heute in linken und feministischen Kontexten diese Kämpfe als intersektionale begriffen, die gemeinsam geführt werden müssen.
Dabei werden aber auch Widersprüche sichtbar: mit einem sich in Teilen der Linken durchsetzenden Rassismusbegriff werden sexistische Praktiken relativiert oder sogar affirmiert, Kultur wird zum unantastbaren Gut, das vermeintlich unentrinnbar mit den in ihr sozialisierten Individuen verknüpft ist, kulturelle und religiöse Traditionen und Praktiken werden aus feministischer Perspektive kaum noch in den Blick genommen.
Im Vortrag wird die Geschichte des Verhältnisses von Antirassismus und Feminismus nachgezeichnet, sowie heutige antirassistische Theorien und Bewegungen aus feministischer Perspektive in den Blick genommen, um die Ambivalenzen des zugrunde liegenden Rassismusbegriffs zu problematisieren.

Zur Referentin
Randi Becker studierte Sozialwissenschaften, Soziologie und politische Theorie in Gießen, Frankfurt und Darmstadt. Sie ist Dozentin für politische Bildung, Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten und Doktorandin der Universität Passau. Sie forscht, schreibt und spricht zu Antisemitismus, Nationalsozialismus, Rassismus, Geschlecht und deren Verknüpfungen.

Hygienekonzept und Anmeldung
Da die Veranstaltung online über BigBlueButton stattfinden wird, wird es keine Kinderbetreuung geben Um eine Anmeldung zum Beitrag unter schweigendurchbrechen@riseup.net wird gebeten. Der Einladungslink zur Online-Veranstaltung wird Euch dann per Mail zugesendet.


Vortrag: Burschenschaften und Männlichkeit

Veronika Kracher – 08.12. – 19 Uhr – Musikverein in der Kantine

Veranstaltungsbeschreibung
„[Diederich Heßling] fühlte sich wohlig geborgen in dem Halbdunkel des niedrigen altdeutschen Lokals, mit den Mützen an der Wand, angesichts des Kranzes geöffneter Münder, die alle dasselbe tranken und sangen, bei dem Geruch des Bieres und der Körper, die es in der Wärme wieder ausschwitzten. Ihm war, wenn es spät ward, als schwitze er mit ihnen allen aus demselben Körper. Er war untergegangen in der Korporation, die für ihn dachte und wollte. Und er war ein Mann, durfte sich selbst hochachten und hatte eine Ehre, weil er dazu gehörte! Ihn herausreißen, ihm einzeln etwas anhaben, das konnte keiner!“
(Heinrich Mann, „Der Untertan“)
Diederich Heßlings, seines Zeichens Untertan, Vorläufer des deutschen Faschismus, Paradebeispiel des autoritären Charakters, Burschenschaftler: als Figur zwar eine Kreation Heinrich Manns, als Charaktertypus jedoch von so vielen deutschen Männern vertreten.
Weder an diesen Männern, noch an der Institution „Burschenschaft“ hat sich seit der Veröffentlichung des „Untertans“ 1914 viel geändert. Nach wie vor ist der Männerbund (vor allem der schlagenden) Burschenschaft durch Elitedenken, Korpsgeist, die Abwertung des Weiblichen, Rassismus, Autoritätsgläubigkeit und Antisemitismus geprägt.
Historisch gesehen spielen in der Ideologie der Studentenverbindung, die ihre einst demokratischen und freiheitlichen Wurzeln bereits zum Wartburgfest 1817 den gleichen Flammen übergaben, denen man damals schon die Werke jüdischer SchriftstellerInnen übergab, eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung des modernen deutschen Nationalstaates, als auch damit einhergehend der ihm innewohnenden antisemitischen Ideologie sowie einer spezifisch deutschen Vorstellung von Geschlechtlichkeit.
Bei dieser wird der stramme, deutsche und naturwüchsige Mann, wie er durch den archetypischen Burschen vertreten wird, dem effeminierten, impotenten Juden als Vertreter der pervertierten Moderne entgegen gesetzt; somit steht er stellvertretend für den nationalsozialistischen Kampf des deutschen Reiches gegen das internationale, kosmopolitische Jüdische.
Zudem kann das homoerotische Begehren, welches dem Männerbund innewohnt, sich aufgrund internalisiertem Hass gegen alles als weiblich, zärtlich und somit schwach verstandene nur sadistisch artikulieren: gegen die Untergebenen in der Verbindung einerseits, gegen die pathische Projektion des effeminierten Juden andererseits. In beiden Fällen wird man durch die massenpsychologische Erfahrung des Kollektivs in seinem Denken und Tun bestätigt.Die Publizistin und Autorin Veronika Kracher analysiert in ihrem Vortrag „Die Burschenschaft: Sexualisierter Antisemitismus und deutsche Männlichkeit“ die historische Entstehung von Burschenschaften, setzt sich auf sozialpsychologische Art und Weise mit dem Männerbund und der ihm inhärenten Ablehnung des weiblichen Auseinander und erläutert, wieso das Bild einer spezifisch deutschen Männlichkeit als solches von Grund auf antisemitisch konnotiert ist.

Hygienekonzept und Anmeldung
Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Teilnehmer:innenzahl für diese Veranstaltung auf 30 Personen beschränkt. Meldet euch bitte unter schweigendurchbrechen@riseup.net an. Für alle, die keinen Platz mehr bekommen, wird es einen Livestream oder einen Audiomittschnitt geben.


Allgemeine Informationen

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage können wir nicht garantieren, dass alle Veranstaltungen in geplanter Form stattfinden können. Haltet euch deshalb über unsere Website oder auf Facebook auf dem Laufenden. In der Vergangenheit haben wir für unsere Veranstaltungen Kinderbetreuung angeboten. Aufgrund der aktuellen Situation gestaltet sich dies schwieriger und wir können nicht garantieren, dass eine Kinderbetreuung immer möglich ist. Falls ihr eine Kinderbetreuung benötigt, schreibt uns eine E-Mail an: schweigendurchbrechen@riseup.net

Die Veranstalter*innen behalten sich gem. § 6 VersG / Art. 10 BayVersG vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen Organisationen angehören oder der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch antisemitische, rassistische oder nationalistische Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu Veranstaltungen zu verwehren.

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