Feminismus oder Barbarei V

Wir betrachten den Feminismus als Basis gesellschaftlicher Emanzipation. Der Überzeugung, dass eine positive und nachhaltige Veränderung der Verhältnisse nicht ohne feministische Kritik zu haben ist, trägt auch der Titel unserer jährlichen Veranstaltungsreihe FEMINISMUS ODER BARBAREI rechnung. Gerade angesichts der Offensive explizit antifeministischer Bewegungen, die Frauen*rechte in ihren Fundamenten angreifen und starre Vorgaben hinsichtlich sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität durchsetzen wollen, halten wir die Auseinandersetzung mit feministischen Theorien, Kämpfen und Utopien weiterhin für unumgänglich. Mit der Fortsetzung dieser Reihe wollen wir Räume eröffnen, um einerseits über einige Akteurinnen des Antifeminismus und andererseits über gegenwärtige feministische Theorien, Kämpfe und Utopien zu diskutieren. Wir wollen zur Entwicklung einer politischen Praxis beitragen, die feministische Erkenntnisse kontinuierlich aufgreift und reflektiert. Wir wollen gemeinsam Kraft schöpfen für unsere politischen Kämpfe ebenso wie für all die Scheiße, die ins immer wieder im Alltag begegnet.

Bildet Banden!

28.7.22 – 19:00 – Desi Nürnberg
Am 28.7 möchten wir euch gerne zu Getränken und Musik in die Desi einladen. In Zusammenarbeit mit verschiedenen feministischen Vereinen und Kollektiven möchten wir einen sicheren Ort für Zusammenarbeit, Vernetzung und Austausch schaffen.
Das Motto „Bildet euch, bildetet andere, bildet Banden“ ist schon lange eines der feministischen Bewegung. Daran anschließend wollen wir einen Ermöglichungsraum schaffen, niederschwellig und ohne vorherige Szenevernetzung auf feministische Kollektive und Gruppen zugehen zu können, sich kennen zu lernen und einzubringen.

Die Veranstaltung soll einen angenehmen Rahmen für die Anwesenden bieten. Deshalb sind auf der Veranstaltung keine Männer erwünscht.

Zart und Frei – Vom Sturtz des Patriarchats

29.9.22 – 19:30 – Caroline Wiedemann – Desi Nürnberg

Leider musste die Lesung vom 25. 8 krankheitsbedingt verschoben werden. Neuer Termin ist der 29.9.

Es gibt derzeit kaum ein Thema, mit dem sich so viel Hass mobilisieren lässt wie mit der Genderpolitik. Das Ressentiment reicht vom Spott über das Gendersternchen bis zu den Manifesten rechtsradikaler Terroristen. Carolin Wiedemann zeigt in ihrer eindringlichen Analyse, dass der antifeministischen Diskurs ein zentrales Element des politischen Rechtsrucks ist – und bis in die politische Linke Sympathisanten hat.

Dagegen hilft keine individualisierte Verweigerung und auch kein neoliberales Durchschlagen, sondern nur kollektive Praxis. Daher werden in dem Buch heute schon praktizierte Beziehungs- und Verhaltensweisen wie Co-Parenting, Post-Romantik und kritische Männlichkeit vorgestellt, mit denen an vielen Orten ein zarter und freier Umgang miteinander erprobt wird.

Das Buch soll nicht diejenigen umerziehen, die weiter von den sexistischen Ordnungen profitieren wollen. Aber es soll es soll diejenigen inspirieren, denen das Wort »Gender« noch fremd ist, die sich gleichsam fragen, wo der Fortschritt, an den sie einmal glaubten, geblieben ist, und jene, die unter Druck stehen, ihre Männlichkeit zu beweisen, obwohl sie doch selbst gern geborgener wären. Die Überwindung des Patriarchats wird auch sie befreien.

Zum Fortbestehen sexualisierter Gewalt in linken Millieus

17.9.22 – 19:30 – Jeja Klein – Kantine Nürnberg

Aufgeklärte Kreise und linke Milieus gerieren sich gern als Gegenpol zu Phänomenen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie oder Antisemitismus. Schilder in linken Läden lassen etwa verlauten, Sexismus werde hier schlicht nicht geduldet. Doch warum hält sich etwa sexuelle Gewalt so hartnäckig in diesen Kreisen? Davon zeugen nicht zuletzt die ständigen Auseinandersetzungen, die vor allem Frauen zum Beispiel mit ehemaligen Partnern führen müssen. Diese Konflikte bilden jedoch nur die Spitze des Eisbergs dessen, was in den Betten dieses „aufgeklärten Milieus“ vor sichgeht. So ist das Erleben von Mitgliedern linker Szenen stark geschlechtlich getrennt: während sich Männer frei heraus um wichtige politische Anliegen, Demos, Aktionen und Strategien kümmern können, befinden sich viele linke Frauen und Queers in einem ständigen Beziehungskampf um Anerkennung, begehbare Räumlichkeiten und um ein soziales Netzwerk, in dem sie sich einfach nur sicher aufhalten können. Diesen Kampf führen sie nicht selten sogar gegeneinander.

Der Widerspruch zwischen antisexistischem Selbstbild und sexistischer Lebenspraxis liegt auch an der massiven Unterschätzung der Tiefe, mit der sich sexistische Gesellschaftsstrukturen in Denken, Fühlen und Handeln von uns allen eingraben. Auch eine weitgehende Unaufgeklärtheit über psychologische Grundlagen stellt ein Hindernis dar, um von progressiver Selbstinszenierung zu einem Handeln fortzuschreiten, das sexistische Normalitäten wirklich transformieren kann. Diese Diagnose bezieht sich ausdrücklich auch auf den sich als feministisch wähnenden Teil der Szene: mit Konzepten wie einer „sexualisierten Gewalt“, in der man keinerlei Sexualität, jedoch ausschließlich männliches Machthandeln zu erkennen glaubt, werden realistische Gegenkonzepte verunmöglicht. Entweder, sexistisches Handeln gilt als dermaßen dämonisch, dass man seinen Freunden, Bekannten und sich selbst solche Vorwürfe nicht zumuten möchte – oder, grenzüberschreitende Personen werden als dermaßen dämonische Täter stigmatisiert, dass ihr angestrebter Ausschluss aus der Szene vorwiegend der Gesichtswahrung der „antisexistischen“ Kreise dient. So werden Betroffene faktisch allein gelassen und die Mitschuld der Szene an einem Sündenbock gesühnt, dem man sich mitsamt der eigenen Verantwortungpraktischerweise entledigen kann. Allein: in den meisten Fällen gelingt dieses Anliegen dann nicht ein mal, wodurch der Schaden für Betroffene umso größer wird und zu einem eklatanten Vertrauensverlust in soziale Beziehungen führt.

Im Vortrag sollen psychologische und soziologische Grundlagen hinter Phänomenen wie sexueller und sexualisierter Gewalt geschärft und die besondere Bedeutung von Männern herausgearbeitet werden. Es wird sich zeigen, dass die Widersprüche, die die DNA des Konzepts der Männlichkeitbilden, notwendig und immer wieder zu Angriffen auf Frauen, Trans, Schwule, Lesben, Nichtbinäre usw. führen müssen. Besonders perfide: derlei Angriffe werden oft nicht mal bewusst als solche geplant und durchgeführt, sondern ergeben sich unterhalb der Schwelle des Bewusstseins aus einer archaischen Normalität, der niemand von uns gänzlich zu entfliehen vermag. Im Vortrag wird darum für eine antisexistische Praxis plädiert, die Konsensualität füralle Lebensbereiche vorschreibt und gelingende Beziehungsarbeit und vorausschauende Verantwortung in Beziehungsnetzwerken gegenüber Awareness-und Unterstützer*innengruppen vorzieht. Das Bild des Täter-Dämons müsste dann ersetzt werden durch die Einsicht in die tiefe persönliche Verstrickung, die wir alle mitbringen – als selber grenzüberschreitende Person einerseits und als sozialer Faktor andererseits, als der wir die Übernahme von Verantwortung hemmen und abwehren. Sei es, weil wir Täter schützen oder sei es, weil wir sie zur Hölle jagen wollen.

Schreitet mutig dem Werden einer neuen Welt entgegen – Die erste Frauenbewegung zwischen Kaiserreich und Republik

24.9.22 – 15:00 Uhr – Nadja Bennewitz – Ort bei Anmeldung

Bildung und Beruf forderten die einen, Arbeit statt Ausbeutung waren die Themen der anderen Richtung:

Die bürgerliche und die proletarische Frauenbewegung waren auch in Nürnberg an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aktiv. Ihre Vertreterinnen forderten Arbeiterinnenschutz, höhere Löhne, das Frauenwahlrecht und erweiterte Bildungsmöglichkeiten für Mädchen.

Bei einem Stadtspaziergang werden Orte der frauenrechtlerischen und bildungspolitischen Aktivitäten aufgesucht und die bedeutendsten Aktivistinnen vorgestellt, so Helene von Forster, Dr. Dr. (!) Bertha Kipfmüller, Agnes Gerlach und die Gewerkschaftssekretärin Helene Grünberg.

Feministisches Kneipenquizz

8.10.22 – 20:30 Uhr – Arsch&Friedrich

Veranstaltungstext folgt in Kürze

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